
Als ich mir vor einigen Wochen eine Ölmischung für meine hormongeplagte Gesichtshaut anfertigte, kam meine Tochter zu mir und fragte, ob sie auch eine Ölmischung haben könne.
Warum auch nicht?
Also drehte ich ihr meinen Aromakoffer zu. Darin stehen viele verschiedene ätherische Öle. Nicht jedes davon ist für Kinder geeignet, deshalb schaue ich immer zuerst genau hin, bevor überhaupt eine Flasche geöffnet wird.
Sie zögerte keine Sekunde.
„Das da.“
Ihr Finger zeigte direkt auf eine Flasche.
Ich nahm sie heraus und war ehrlich gesagt überrascht. Nicht erschrocken, aber überrascht. Denn sie hatte sich ausgerechnet die Atlaszeder ausgesucht.
Nicht, weil die Atlaszeder für Kinder ungeeignet wäre. Ganz im Gegenteil. Sie gehört zur Grundausstattung an ätherischen Ölen für Kinder. Aber eben nicht, weil sie so wunderbar duftet.
Die Atlaszeder besitzt ein sehr ausgeprägtes Duftprofil. Sie gehört zu den Düften, die man nicht einfach überriecht. Öffnet man die Flasche, meldet sie sich sofort zu Wort. Nicht laut. Nicht aufdringlich. Aber sehr deutlich.
Genau dieser ausgeprägte Charakter führt dazu, dass sie pur von manchen Menschen als weniger angenehm empfunden wird. Nicht, weil sie schlecht riechen würde, sondern weil sie sehr präsent ist.
Ich öffnete die Flasche und ließ sie aus etwas Abstand an ihrer Nase vorbeiziehen.
Sofort begann ihr Gesicht zu strahlen.
Genau deshalb wollte ich genauer hinschauen.
Nicht, weil ich ihre Entscheidung infrage gestellt hätte, sondern weil ich sicher sein wollte, dass tatsächlich der Duft selbst diese Reaktion auslöste und nicht etwas anderes.
Kinder haben schließlich ihre ganz eigene Logik. Manchmal gefällt eine Farbe. Manchmal ein Etikett. Manchmal steckt etwas völlig anderes hinter einer Entscheidung.
Also überprüfte ich ihre Wahl mehrfach.
Ich veränderte die Reihenfolge der Fläschchen, ließ sie erneut auswählen, bot ihr andere Düfte an und ließ sie später auch noch an der Atlaszeder von Primavera riechen.
Auch darauf reagierte sie positiv.
Trotzdem blieb sie bei ihrer ursprünglichen Wahl.
Der Atlaszeder von Neumond.
Egal, was ich ausprobierte, sie kehrte immer wieder zu genau dieser Flasche zurück.
Damit war für mich klar, dass nicht die Flasche ihre Aufmerksamkeit geweckt hatte, sondern tatsächlich der Duft selbst.
Und wenn eine Nase auf einen Duft mit einem so ausgeprägten Charakter derart positiv reagiert, dann hat das meist einen Grund.
In diesem Moment fiel mir ein Zitat von Susanne Fischer-Rizzi ein.
Sie beschreibt die Zeder mit den Worten:
„Was der Löwe in der Tierwelt, das ist die Zeder unter den Bäumen.“
Warum mir genau dieser Satz in den Sinn kam, lässt sich anhand der folgenden Wochen sehr gut erklären.
Also machte ich ihr genau die Mischung, die sie haben wollte.
Nur die Atlaszeder.
Natürlich nicht pur, sondern auf ein physiologisches Maß verdünnt.
Physiologisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das ätherische Öl dem Organismus überhaupt erst zugänglich gemacht wird.
Man muss sich vorstellen: Ein ätherisches Öl ist die hochkonzentrierte Essenz einer Pflanze. Das, was wir in der Flasche sehen, begegnet uns in dieser Konzentration in der Natur nicht und ist für unseren Körper in dieser Form auch nicht nutzbar.
Die Atlaszeder ist für Kinder ab einem Jahr in einer Verdünnung von 0,5 bis 1 % geeignet. Da meine Tochter zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre alt war, entschied ich mich für eine 1%ige Verdünnung.
Das entspricht einem Tropfen ätherischem Öl auf 5 Milliliter Basisöl.
Anschließend durfte sie sich noch ein Basisöl aussuchen.
Zur Auswahl standen Mandelöl, Olivenöl und Jojobaöl.
Auch hier fiel die Entscheidung erstaunlich schnell.
Jojobaöl.
Also stellte ich ihr ihre Mischung her.
Als die Mischung fertig war, durfte sie noch einmal daran riechen.
Und da war es wieder.
Dieses Strahlen.
Jetzt war der Duft genau so, wie ihre Nase ihn haben wollte.
In den Wochen danach wurde immer deutlicher, dass sie sich die Atlaszeder nicht einfach ausgesucht hatte, weil ihr der Duft gefiel.
Anfangs fragte sie häufig nach ihrer Mischung. Vor allem rund um den Kindergarten. Mal morgens vor dem Losgehen, mal nachmittags nach einem anstrengenden Tag und gelegentlich auch noch vor dem Schlafengehen.
Wenn sie nach ihrer Mischung fragte, nahm ich die Flasche zur Hand und gab ihr einen kleinen Tropfen auf die Handgelenke.
Anschließend rieb sie ihre Pulse aneinander und roch bewusst daran.
Dann wiederum gab es Zeiten, in denen die Mischung überhaupt keine Rolle spielte.
Tagelang interessierte sie sich nicht dafür.
Manchmal hielt ich ihr die Flasche hin und sie lehnte die Mischung mit einem deutlichen „Igitt“ ab.
Genau das entsprach dem, was ich erwartet hatte.
Denn wenn sie die Unterstützung nicht brauchte, sprach sie der Duft auch nicht an.
Tatsächlich ist das etwas, das sich in der Aromatherapie immer wieder beobachten lässt.
Wenn uns ein ätherisches Öl besonders anspricht, hat das meist einen Grund. Genauso kann sich die Wahrnehmung eines Duftes verändern, wenn sich die Situation verändert, die uns ursprünglich zu diesem Öl hingezogen hat.
Deshalb bewerte ich ein ätherisches Öl niemals nach einem einzigen Schnuppern.
Ein und derselbe Duft kann über Wochen hinweg gleich wahrgenommen werden und plötzlich an einem bestimmten Tag ganz anders riechen. Manchmal angenehmer. Manchmal weniger angenehm. Nicht, weil sich das Öl verändert hätte, sondern weil wir uns verändert haben.
Unsere Stimmung, unsere Belastungen, unsere Bedürfnisse und unser innerer Zustand beeinflussen maßgeblich, wie wir einen Duft wahrnehmen.
Genau deshalb lohnt es sich, der eigenen Nase aufmerksam zuzuhören.
Sie verrät uns oft mehr, als wir auf den ersten Blick vermuten würden.
Je länger ich dieses Verhalten beobachtete, desto deutlicher spiegelte sich das wider, was ich über die Atlaszeder weiß.
Denn das, was ich euch hier beschreibe, lässt sich auch sehr gut über die Signaturenlehre erklären.
Die Signatur der Atlaszeder steht für:
- Verwurzelung
- Standfestigkeit
- Stabilität
- Würde
- Souveränität
- Aufrichtung
- innere Stärke
- Mut
- Halt in herausfordernden Situationen
- Stärke ohne Härte
Natürlich trifft dies auch auf das ätherische Öl der Atlaszeder auf der psychischen Ebene zu.
Kindergarten bedeutet für Kinder nicht einfach nur Spielen.
Es bedeutet Abschied nehmen.
Neue Situationen meistern.
Konflikte erleben.
Sich in einer Gruppe zurechtfinden.
Freundschaften schließen.
Grenzen kennenlernen.
Und all das geschieht in einer Geschwindigkeit, die wir Erwachsenen oft unterschätzen.
Gerade Übergänge schienen für meine Tochter dabei eine besondere Rolle zu spielen.
Der Abschied am Morgen.
Der Wechsel von einer Situation in die nächste.
Tage, an denen sie etwas beschäftigte.
Tage, an denen sie einfach etwas mehr Halt brauchte.
Und genau dort tauchte die Atlaszeder immer wieder auf.
Und genau an dieser Stelle zeigt sich, warum mir damals die Beschreibung von Susanne Fischer-Rizzi in den Sinn kam.
Die Atlaszeder steht nicht für Härte.
Nicht für Dominanz.
Nicht für Lautstärke.
Sondern für Verwurzelung.
Für innere Stärke.
Für Würde.
Für Souveränität.
Für Mut.
Für die Fähigkeit, auch dann aufrecht zu bleiben, wenn es um einen herum einmal unruhig wird.
Genau deshalb hatte sich meine Tochter die Atlaszeder ausgesucht.
Weil sie genau die Unterstützung mitbrachte, die sie in dieser Zeit brauchte.
Keinen lauten Mut.
Keinen kämpferischen Mut.
Sondern einen zedernhaften Löwenmut.