Wenn ein einzelner Geruch alles ins Wanken bringt

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen mich ein einzelner Geruch völlig aus der Bahn geworfen hat.

Mein Tag hat eigentlich ganz normal angefangen. Alles war gut. Und dann komme ich nach Hause, steige aus dem Auto aus und direkt war sie da.

Diese körperliche Reaktion.

Nicht erst ein Gedanke.

Nicht erst „Oh, da riecht etwas.“

Sondern direkt.

Anspannung.

Gefahr.

Diese aufsteigende Panik.

Der Körper reagiert schon, bevor wir überhaupt bewusst benennen können, was wir da gerade riechen.

Und erst kurze Zeit später war klar:

Verbranntes Plastik.

Genau dieser Geruch.

Und genau das finde ich immer wieder faszinierend. Nicht schön. Ganz und gar nicht schön.

Denn in dem Moment, wo wir einen Geruch bewusst wahrnehmen, hat unser Körper längst angefangen zu reagieren.

Und bei mir bedeutet so ein Geruch leider oft:

Super. Die Migräne hat mir gerade noch gefehlt.

Wenige Minuten später kamen dann die ersten Zeichen.

Dieses leichte Ziehen.

Nacken.

Über dem Auge.

Leicht flauer Magen.

Nicht dramatisch. Noch nicht.

Aber ich kenne das mittlerweile sehr gut.

Und genau da bin ich nicht hingegangen und habe versucht, einfach nur die Migräne ruhigzustellen.

Denn die Migräne war nicht der Anfang.

Sie war die Reaktion.

Der Anfang war dieser massive Stressreiz.

Diese unmittelbare Gefahrreaktion.

Diese Anspannung.

Und genau da wollte ich hin.

Also habe ich zu meinen Ölen gegriffen.

Ich habe einen großen Holzkoffer. Den klappt man auf wie ein Buch. Da stehen ungefähr achtzig Öle drin.

Ich habe natürlich meine fachliche Vorauswahl. Ich habe eine Idee, welche Öle zu dem passen könnten, was gerade passiert.

Aber ich gehe nicht einfach hin und sage:

„Migräne = Öl XY.“

Ich gehe mit meiner Nase durch den Koffer.

Und dann merke ich:

„Das ist es nicht.“

„Das ist es nicht.“

„Hier ist etwas.“

Man bleibt wirklich hängen.

Und manchmal passiert das schon, bevor die Flasche überhaupt geöffnet ist.

Bei manchen Ölen hat es mich regelrecht geschüttelt.

Nein.

Ganz sicher nicht.

Der Lorbeer war heute ganz gruselig.

Sofort wieder weg.

Die Orange war direkt ein Match.

Die Nelkenknospe hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm.

Gar nicht.

Und dann kam der Fenchel.

Und da war direkt:

„Das ist es.“

Und schon während ich die Öle ausgesucht habe, passierte etwas.

Die Panik ließ nach.

Die Migräneanzeichen waren noch da.

Aber sie wurden nicht mehr.

Und genau da wird etwas deutlich:

Der Geruch ist die Aktion.

Die Reaktion macht unser Körper.

Immer.

Heute hat ein Geruch Anspannung ausgelöst.

Panik.

Verspannung.

Migräne.

Und dieselbe Richtung funktioniert auch andersherum.

Also wurde daraus meine Mischung:

Zwei Tropfen Nelkenknospe (Syzygium aromaticum)

Ein Tropfen Orange süß (Citrus sinensis)

Fünf Tropfen Fenchel (Foeniculum vulgare)

Und nein, ich habe nicht einfach wild irgendwelche Tropfen zusammengeworfen.

In dem Moment, wo meine Nase mich zu diesen Ölen geführt hat, passiert natürlich auch etwas in meinem Kopf.

Ich weiß ja, welche Eigenschaften diese Öle mitbringen.

Die Orange durfte heute beruhigen.

Aber eben nur beruhigen.

Nicht sedieren.

Nicht:

„Gute Nacht, wir sehen uns später.“

Deswegen ein Tropfen.

Der Fenchel durfte deutlich präsenter sein.

Und die Nelkenknospe hat genau an der Stelle gepasst, an der meine Nase sie haben wollte.

Und plötzlich passte das Bild.

Stress.

Anspannung.

Nervensystem.

Magen.

Beginnende Migräne.

Und genau da entsteht dann natürlich nicht einfach:

„Ach, ich kippe jetzt mal irgendwas zusammen.“

Sondern da läuft im Kopf natürlich direkt mit:

Was kann dieses Öl?

Was möchte ich davon haben?

Und was möchte ich gerade ganz bewusst nicht haben?

Und genau da kommt etwas ins Spiel, das in der Aromatherapie wirklich ein Grundsatz ist:

WENIGER IST MEHR

Denn nur weil etwas gut riecht oder gut wirkt, bedeutet das nicht automatisch:

„Mehr hilft mehr.“

Ganz im Gegenteil.

Ätherische Öle sind hochwirksame Vielstoffgemische.

Ein Öl bringt nicht eine Eigenschaft mit.

Es bringt viele Eigenschaften gleichzeitig mit.

Und je nach Menge verschiebt sich manchmal genau das, was wir erreichen möchten.

Und während ich das hier gerade aufgeschrieben habe, passierte etwas, das ich mittlerweile sehr gut kenne.

Es hat im Nacken plötzlich richtig geknackt.

Also wirklich geknackt.

Nicht dieses kleine Knack.

Sondern richtig.

Und in dem Moment ging die Anspannung raus.

Wirklich raus.

Dieses Ziehen.

Dieses beginnende Gefühl über dem Auge.

Der Nacken.

Der Magen.

Es wurde plötzlich leichter.

Und da war sie wieder.

Die Reaktion.

Nur diesmal in die andere Richtung.

Vorher kam auf den Geruch:

Anspannung.

Panik.

Verspannung.

Migräne.

Und jetzt kam wieder eine Reaktion.

Nur diesmal:

Entspannung.

Loslassen.

Ruhe.

Und genau da war klar:

Es geht nicht weiter.

Es wird keine Migräne mehr.

Diese typischen Nachzügler waren zwar noch da.

Die Hände noch etwas taub.

So dieses neurologische Nachlaufen, das ich von mir kenne.

Aber dieses:

„Oh nein, jetzt geht es richtig los.“

war weg.

Der Schmerz war weg.

Die Übelkeit war weg.

Und ich wusste:

Heute darf die Migräne gerne wieder umdrehen.

Und genau deshalb nenne ich immer botanische Namen.

Immer.

Und wenn es Chemotypen gibt, dann auch die.

Denn ein Name allein reicht oft nicht aus.

Über Chemotypen mache ich aber nochmal einen eigenen Beitrag, sonst wird aus diesem Blogbeitrag endgültig mein erstes Buch.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Zeder.

Gerade im amerikanischen Sprachgebrauch werden verschiedene Pflanzen als „Cedar“ bezeichnet.

Für uns klingt das erstmal eindeutig:

„Ah, Zeder.“

Aber genau da bitte einmal stoppen.

Denn eine echte Zeder gehört botanisch zu Cedrus.

Zum Beispiel:

Cedrus deodora – Himalaya-Zeder
Cedrus atlantica – Atlas-Zeder

Dann gibt es aber zum Beispiel die Virginia-Zeder:

Juniperus virginiana

Da steht zwar Zeder drauf.

Botanisch ist das aber keine echte Zeder.

Und genau deshalb reicht ein Name allein nicht aus.

Denn unterschiedliche Pflanzen bringen unterschiedliche Inhaltsstoffe und unterschiedliche Vorsichtsmaßnahmen mit.

Gerade hier lohnt sich ein genauer Blick.

Denn bestimmte Vertreter enthalten relevante Mengen Thujon.

Und Thujon gehört nicht in die Kategorie:

„Ach, ist doch nur ein Öl.“

Denn hinter jedem Öl steckt eine Pflanze.

Hinter jeder Pflanze stecken Inhaltsstoffe.

Und hinter diesen Inhaltsstoffen stecken Wirkungen, Kontraindikationen und Zusammenhänge.

Genau deswegen schaue ich auf botanische Namen.

Genau deswegen schaue ich auf Chemotypen.

Denn Zeder ist eben nicht automatisch Zeder.

Und manchmal entscheidet genau dieser kleine Unterschied über sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

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